Nachruf Siegfried Bergmann (1932 – 2021)


Siegfried Bergmann ist tot, einer der wichtigsten Naturfilmer
Deutschlands. Der „Sielmann des Ostens“ wurde er in Fachkreisen auch
anerkennend genannt. Doch die Popularität von Heinz Sielmann,
Bernhard Grzimek, Horst Stern erreichte er nie. Dem stand seine große
menschliche Bescheidenheit im Wege.

Der studierte Biologe hatte 1959 ein Angebot der DEFA bekommen, als
biologischer Assistent im Studio für populärwissenschaftliche Filme in
Potsdam mitzuarbeiten. Im externen Studium holte er sich das
Handwerkzeug fürs Filmemachen. So paarte sich idealerweise
Fachwissen mit Filmkunst.

Siegfried Bergmann liebte das „Hineinkriechen“ in die unsichtbaren
Geheimnisse der Biologie, ob unter die Eischale oder in die Kesselfalle
der Osterluzei im preisgekrönten Film „Blüte und Insekt“ von 1967. Nie
ging es ihm nur um den Schauwert, er wollte Zusammenhänge
aufzeigen. Als Autor, Regisseur und Kameramann.

Sein wichtigstes Verdienst war die filmische Hinterfragung von
Interessenkonflikten in der DDR, vor allem zwischen Naturschutz und
Landwirtschaft. „Die verbotenen Inseln“ und „Die große Niederung“ von
1971 erzählen vom Kampf um Vogelparadiese an der Ostsee und im
Havelland. „Augen der Landschaft“ und „Grüne Brücken“ aus den 1980er
Jahren sind ein Credo für den Erhalt natürlicher Gehölze in Wald und
Flur. Ein anderes großes Thema: die Trockenlegung von Mooren und
welche ökologischen Folgen sie hat. Immer an seiner Seite, als
Dramaturgin und wichtigste Beraterin – seine Frau Christine.
Nach der Wende fanden die Bergmanns Partner im Umweltmagazin
OZON beim Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg und bei FÖN e.V. Es
entstanden Filme über das Wiedererwachsen der Natur auf einstigen
Truppenübungsplätzen und in stillgelegten Tagebauen. Über
Großtrappen und Biber in der Mark. Über das wilde Grün in der
Hauptstadt Berlin. Für sein vielseitiges engagiertes Schaffen gab es
zahlreiche Preise im In- und Ausland.

Foto: Deutscher Naturfilmpreis auf dem Darßer Naturfilmfestival 2013